«Die Mädchen interessieren sich weniger für Tennis»

Roger Federer steht bei den Australian Open in den Achtelfinals. Doch die Nebenschauplätze, die das Welttennis in seinen Klauen hält - sie beschäftigen auch ihn.

Roger Federer, Ihr Sohn Lenny schaute bei Ihrem Sieg zu. Ist er von Ihren Kindern dasjenige, das sich am meisten für Tennis interessiert? Roger Federer: Schwierig zu sagen, sie sind ja noch sehr jung. Die Jungs sind aber mehr vom Ballsport begeistert als die Mädchen, die das Tennis weniger interessiert. Ich wusste nicht, dass Lenny kommt, aber es freut mich immer, wenn die Kinder zuschauen. Meistens spiele ich abends, wenn die Kinder schlafen müssen. Aber Lenny wollte wohl bei Mirka sein (lacht).

Die Federer-Familie 2017 in Wimbledon.

Sie haben am Abend und am Mittag gespielt. Was ist der Unterschied?
Weil ich meist abends spiele, ist es für mich schon eine Umstellung, am Tag zu spielen. In meinem Alter brauche ich mehr Zeit, um mich warm zu machen, damit ich dann richtig brenne.

Sie sagten in dieser Woche, das Alter sei nur eine Zahl. Denken Sie, das Beste komme erst noch?
Nein, definitiv nicht (lacht). Ich möchte ja noch einigermassen gesund sein, wenn ich aufhöre. Ich habe vier Kinder, und mit der Karriere, die ich hatte, und meinem Körper glaube ich, es wäre keine gute Idee, ewig zu spielen. Aber für den Moment gilt: Die Ampeln stehen auf Grün. Ich bin gesund, geniesse das Tennis, meine Kinder, die Zeit auf der Tour, und meine Frau ist glücklich. Was mich betrifft: Ich bin einfach glücklich, an welchem Punkt in meinem Leben und meiner Karriere ich gerade stehe.

Die Ampeln stehen auf Grün. Ich bin gesund, geniesse das Tennis, meine Kinder die Zeit auf der Tour, und meine Frau ist glücklick.

Roger Federer

Wie sehr hat die halbjährige Pause ab Sommer 2016 dabei geholfen?
Wenn du lange dabei bist und dann eine längere Pause machst, gibt das dem Körper die Möglichkeit, zu heilen. Du bist danach auch im Kopf frischer. Und wenn du zurückkommst, die Menschen wieder siehst, den Druck spürst, dann siehst du die Dinge klarer und entspannter. Denn oft siehst du den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr.

Rückhalt und Organisatorin: Federers Frau Mirka.

Andy Murray sagte bei seinem Rücktritt, er erhole sich nicht mehr so gut wie noch vor ein paar Jahren. Machen Sie ähnliche Erfahrungen?
Ja, das ist der grösste Unterschied zu früher. Wenn du als Junger Schmerzen hattest, konntest du am nächsten Tag trotzdem spielen, und nach zwei Tagen war es schon wieder so, als wäre nichts gewesen. Bist du 37, spürst du es für zwei Wochen. Es geht einfach deutlich länger, bis du dich erholt hast

Sie hatten weniger Verletzungen als andere. Was ist Ihr Geheimnis?
Ich brauchte definitiv ein wenig Glück. Aber auch ich hatte mal Pech, wenn Sie bedenken, wie ich mich vor drei Jahren am Knie verletzt habe, als ich ein Bad für die Mädchen eingelassen habe. Ich glaube, ich verstehe meinen Körper sehr gut und weiss genau, wann ich noch spielen kann, obwohl ich Schmerzen habe. Vielleicht ist es das. Und ich habe immer darauf vertraut, dass ich das Tennis nicht verlerne, wenn ich einmal ein paar Tage nicht trainiere.

Ich glaube, ich verstehe keinen Körper sehr gut. Und ich habe immer darauf vertraut, dass ich das Tennis nicht verlerne, wenn ich einmal ein paar Tage nicht trainiere.

Roger Federerer

Wie schwer fällt es Ihnen, auch einmal ein Turnier auszulassen?
Es ist hart, während der Saison einen Aufbau von fünf, sechs Wochen zu machen, während andere in dieser Zeit Turniere gewinnen. Das ist nicht einfach zu ertragen. Aber ich sage mir immer, dass ich das für mein Spiel, meine Gesundheit und meine Zukunft mache. Ich bin froh, dass ich mir immer genügend Pausen gegönnt habe.

Gab es diesbezüglich so etwas wie einen Schlüsselmoment?
Ich erinnere mich noch genau an ein Gespräch, das ich mit meinem Fitnesstrainer Pierre Paganini hatte, nachdem ich hier 2004 gewonnen hatte und die Nummer 1 geworden war. Er sagte zu mir: «Bitte mach mir den Gefallen und renne nicht dem Geld nach und spiele jedes Turnier wegen der Antrittsgage.» Ich sagte, dass ich das nicht vorhätte. Aber das Problem ist: Wenn du 23 bist wie ich damals, weisst du nicht, wie lange du oben mitspielst. Es gibt keine Garantien. Du hast nicht wie in einem Teamsport einen Fünfjahresvertrag.

Fitnesstrainer Pierre Paganini mit Roger Federer auf einem Bild von 2003.

Davis Cup, Laver Cup, die Neuwahl des ATP-Präsidenten – das Tennis ist in einer Phase des Umbruchs. Wie beurteilen Sie die Entwicklung?
Es ist viel in Bewegung und ich finde es gut, dass man innovativ denkt. Es sind interessante Zeiten – aber ich würde nicht sagen, dass es schlechte sind. Es wird immer jemanden geben, der nicht zufrieden ist. Beim Davis Cup und dem ATP Cup, den es ja schon früher gab und über den damals auch niemand motzte, muss man abwarten, wie es weitergeht. Beim Laver Cup haben wir bewiesen, dass es ein super Anlass ist.

Es ist viel in Bewegung und ich finde es gut, dass man innovativ denkt. Es sind interessante Zeiten – aber ich würde nicht sagen, dass es schlechte sind.

Roger Federer

Novak Djokovic sagt, vielen Jungen sei die Arbeit des Spielerrats egal.
Das Problem bei den Jungen ist, dass immer wieder Eltern, Manager und Coaches dazwischenfunken und sagen: Konzentriere dich aufs Tennis und lass das andere machen. Ich verstehe das. Aber wenn wir etwas erreichen wollen, müssen wir zusammenstehen.

Sie waren lange Präsident des Spielerrats, sind jetzt aber 37. Wie sehr sehen Sie sich noch in der Verantwortung, wenn es um die Zukunft geht?
Mir liegt die Zukunft am Herzen. Aber jetzt stehen andere in der Verantwortung. Djokovic ist der Präsident, es sind andere im Council. Sie sollen ihn so führen, wie sie es für richtig halten. Für mich ist es aber wichtig, dass ich auf dem Laufenden bleibe. Denn ich möchte, dass es dem Sport auch nach meiner Zeit gut geht. «Mir liegt die Zukunft am Herzen. Aber jetzt stehen andere in der Verantwortung. Djokovic ist jetzt der Prösident, es sind andere im Council.»

Roger Federer sieht bei der Gestaltung der Zukunft andere in der Verantwortung.

Rafael Nadal beschwerte sich, dass niemand mit ihm das Gespräch gesucht hat. Verstehen Sie seinen Ärger?
Das Problem bei Rafa ist, dass er wegen seiner Verletzung lange weg war. Für denjenigen, der ihn anrufen soll, ist es schwierig. Du denkst dir: Ich will Rafa nicht stören. Aber es besteht kein Zweifel: Jemand hätte mit ihm reden sollen, dafür haben wir die Spielervertreter.

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