«Die Trennung war ein Schock»

Vier Monate nach seinen zwei Knieoperationen bricht Stan Wawrinka (32) sein Schweigen.

Stan Wawrinka, wie geht es Ihnen?

Ihr habt mir gefehlt (lacht), naja, ein wenig. Es geht besser, viel besser. Es ist klar, das waren die fünf schwierigsten Monate meiner Karriere. Ich bin noch nicht bei hundert Prozent – weder körperlich noch mit meinem Tennis. Ich arbeite sehr hart, um das alles aufzuholen. Wenigstens stimmt die Richtung und das ist sehr befriedigend.

Hatte die Verletzung auch etwas Positives?

Nein, nicht wirklich. Um ganz ehrlich zu sein, auf diesem Niveau als Sportler gibt es nichts Schlimmeres, als verletzt zu sein. Am Anfang habe ich mir gesagt okay, du kannst etwas anderes unternehmen. Aber an Krücken geht das nicht. Wenn ich etwas Positives nennen muss, dann dass mich die Pause dazu gezwungen hat, mich mental und körperlich zu erholen. Das hat mir Luft gegeben für die nächsten Jahre.

Was haben Sie in diesen Monaten gelernt?

Ich hatte viel Zeit, um darüber nachzudenken, was passiert ist – sowohl in meiner Karriere als auch um mich herum. Ich habe Dinge über mich gelernt, aber auch über den Tennis-Zirkus und mein Umfeld. Seit Wimbledon war ich weg, hatte zwei Operationen und ging acht Wochen an Krücken. Das war sehr hart für mich. Ich habe gemerkt, wer zu mir hält. Denn in solchen Momenten hast du nur die Nächsten um dich.

Haben sich in dieser Zeit nie Leute aus dem Tennis-Zirkus nach Ihnen erkundigt?

Ich hatte es immer sehr gut mit den Allerbesten. Die Grossen haben mir alle geschrieben und sich dann und wann bei mir gemeldet. Von anderen habe ich nichts gehört, als ich weg war. Es war schon enttäuschend, zu sehen, wie schnell man in Vergessenheit gerät. Aber so ist das eben. Es besteht kein Zweifel, dass es die schwierigste Zeit meiner Karriere ist. Ich leide in den Trainings sehr, es ist hart und noch ein sehr langer Weg.

Es war enttäuschend, zu sehen, wie schnell man in Vergessenheit gerät. Ich habe gemerkt, wer zu mir hält

Dazu kommt die Trennung von Ihrem Trainer Magnus Norman. Wie hart traf Sie das?

Das war eine Überraschung, fast ein Schock. Nicht nur die Entscheidung, sondern auch der Zeitpunkt. Wenn man so schwer verletzt ist und zurückkommen will, braucht man Menschen, die einen sehr gut kennen. Er hat sich im schlimmsten Moment meiner Karriere so entschieden, kurz bevor ich wieder mit dem Tennis begonnen hätte.

Haben Sie einen neuen Trainer im Auge?

Yannick Fattebert wird mich öfter begleiten. Ich schaue mich um, aber ich habe keinen Druck. Für mich ist es das Wichtigste, wieder gesund zu werden. Wenn ich einen Trainer finde, dann einen für die nächsten drei, vier Jahre. Ich bin für vieles offen. Das Gefühl muss stimmen, aber es braucht jemanden mit Erfahrung. Jemanden, der Neues einbringt und hilft, aus Routinen auszubrechen.

Auf wen können Sie jetzt am meisten zählen?

Ich kann mich glücklich schätzen, dass ich Pierre Paganini (Fitnesstrainer, d. Red.) an meiner Seite weiss. Ohne ihn hätte ich aufgehört. Ich brauche jetzt Menschen, die mich sehr gut kennen.

Was genau ist das Problem mit Ihrem Knie?

Ein Knorpelschaden, ein Loch. Ich hatte seit Herbst 2016 immer wieder mehr oder weniger Schmerzen. Aber nach der Rasensaison gab es kein Zurück mehr. Erst unterzog ich mich einer Arthroskopie, bei der geschaut wurde, wie schwer das Knie beschädigt ist. Beim zweiten Eingriff ging es um die Rekonstruktion.

Und danach?

Acht Wochen ging ich an Krücken. Danach begann alles wieder bei null. Meine Muskeln, meine Reflexe – alles war weg. Du zweifelst, du leidest. Noch kann ich keine langen Ballwechsel spielen. Ich muss vorsichtig sein und darf nichts überstürzen. Aber als ich das erste Mal wieder Tennis gespielt habe, gab mir das unheimlich Moral. Es hat sich angefühlt, als wäre ich aus den Ferien zurückgekommen. Ich leide jetzt zwar körperlich, aber ich weiss, dass ich noch Tennis spielen kann.

Wie geht es nun weiter?

Mein Ziel ist es, dass ich die Australian Open spiele, die am 15. Januar beginnen. Bisher verläuft alles nach Plan. Mein grösstes Ziel ist es, gesund zu bleiben und wieder auf mein Niveau zu kommen. Das kann Wochen oder Monate dauern.

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